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Bauanleitung / DIY Ablegersteine für Reefdecks und Koloniesteine Silikonform

From Korallen Wiki - Arten, Haltung, Vermehrung, Zucht, DIY, Meerwasser
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Einleitung

Hier werden kleine Ablegersteine gefertigt, die in sogenannte Reefdecks aus Acrylglas passen. Es gibt wenige fertige Ablegersteine, doch mich störte zum einen, dass die Nippel an der Unterseite zu lang sind. Zum anderen ist die „Scheibe“ oben nicht griffig genug für Zangen oder Finger, je höher desto besser. Der Clou hier aber ist die ein natürlich geformter großer Stein, in den mehrere kleine Ablegersteine eingesteckt werden können. Mich hat immer gestört, dass man mit den kleinen unnatürlich geformten Ablegersteinen nicht viel anfangen kann.

Übersicht

Um Ablegersteine gleicher Form in größeren Mengen herzustellen, geht man grob wie folgt vor:

  • Mit Knetmasse / Holz einen Ablegerstein formen
  • Mit Acrylglas ein kleines passendes „Becken“ bauen, in das die Silikonmasse gegossen werden kann
  • In die fertige Silikonform wird ein Aragonit-Sand- / Zementgemisch gefüllt und so mehrere Ablegersteine geformt
  • Die Steine nebeneinander anordnen und wieder ein kleines „Becken“ bauen, in das die Silikonmasse gegossen werden kann. So können mehrere identische Steine in einem Arbeitsgang geformt werden

Material

Für die Form

Silikon: Die Wahl für Silikon als Formmasse liegt in der einfachen Entnahme des Ablegersteins, da die Hochelastizität auch anspruchsvolle Formen zulässt. Ein Zweikomponentensilikon ist sehr flüssig, härtet typisch in 30 Minuten aus und bleibt hochelastisch. Die Silikonkautschuke gehören in den Bereich der Kunststoffe (Elastomere). Im Modellbau am gebräuchlichsten sind RTV/NV Silikone. Das sind Silikone die bei Raumtemperatur vernetzen (aushärten) und niedrigviskos (NV), also flüssig sind.

Acrylglas: Für die Form eignet sich Acrylglas gut, denn es lässt sich gut bearbeiten und hat eine glatte Oberfläche. Für den Formenbau reichen Platten mit 3mm Materialstärke aus.

Heißkleber: Die einfachste Möglichkeit für rasche Montage und Demontage bietet Heißkleber.

Knetmasse: Die Urform wird ganz einfach mit Knetmasse aus dem Spielwarenhandel geformt.

Holz: Für die passgenaue Form wurden hier Holzrundstäbe verwendet.

Für die Steine

  • Portlandzement CEM I: Ist weiß und ist nicht immer so einfach in kleinen Mengen erhältlich. Wichtig ist, dass es CEM I ist, sonst sind Probleme mit Schadstoffen vorprogrammiert.
  • Aragonit-Sand: Natürlicher Aragonit-Sand (Korallensand) gibt keine Schadstoffe (insbesondere Silikat) ab. Die Körnung für die kleinen Ablegersteine sollte um einen Millimeter sein, bei den großen Steinen gerne mehr.
  • Wasser
  • Teuer aber für kleine Ablegersteine sicher sinnvoll: "Reef Bond Korallenmörtel" - man spart die wochenlange Wässerung

Anleitung Schritt für Schritt

  • Urform: Um mit Silikon abformen zu können muss zunächst eine Urform hergestellt werden.
    • Kleine Formen wie die runden Ablegersteine werden mit Holzrundstäben nachgebaut. Die kleinen Ablegersteine bestehen hier aus einem Stück 20 mm Durchmesser und 11 mm Höhe, sowie 12 mm Durchmesser und 4 mm Höhe, die einfach zusammengeklebt werden.
    • Der große Koloniestein wird einfach mit Knetmasse geformt. Bei der Position der kleinen Ablegersteine ist zu beachten, dass die Silikonform später auch noch vom fertigen Stein gelöst werden können muss. Um die kleinen Ablegersteine später überhaupt in den großen fertigen Koloniestein stecken zu können, braucht es einen Spalt von ca. einem mm. Ich habe deshalb den Durchmesser der kleinen Ablegersteine mit dickem Isolierband etwas dicker gemacht. Die so präparierten kleinen Ablegersteine können nun in den großen Koloniestein aus Knetmasse eingedrückt werden. Um die kleinen Ablegersteine auch wieder entfernen zu können habe ich eine Schraube auf den Ablegersteinen befestigt.
  • Ist die Urform später aus Stein, dann fließt das flüssige Silikon in jede Pore. Das erschwert später die Entnahme und kann sogar zu Bruch führen wenn der Zement noch nicht ausgehärtet ist. Deshalb besser die Urform-Steine mit lösemittelfreiem Tiefgrund einstreichen und nach dem Trocknen mit einer dünnen Klarlackschicht überziehen. Dies ist aber wirklich nicht immer nötig und stellt nur das Optimum dar.
  • Die Urform wird auf ein Stück Acrylglas gelegt, dabei bedenken, dass eine Entnahme aus der Form noch möglich wird. In diesem Fall also die Seite mit dem großen Durchmesser auf den Boden stellen. Um das Objekt braucht es etwa 5 mm Platz für die Form. Je mehr, desto mehr Silikon wird verschwendet und desto schwieriger wird später die Entnahme. Die Höhe der Form muss mindestens 5 mm über der Höhe der Urform sein – in diesem Fall also mind. 21 mm.
  • Nun werden Acrylglas-Streifen gesägt, die Länge ergibt sich aus vier Teilen um das Objekt im Abstand von ca. 5 mm. Wenn man die Teile anordnet wie im Bild, ist die Länge unwichtig, zudem wird die die Flexibilität erhöht und die Wiederverwendung auch für andere Formen ist möglich.
  • Die Verklebung mit Heißkleber ist extrem einfach, denn Fehler lassen sich schnell rückgängig machen. Wird etwas verklebt, so ist unbedingt auf folgendes zu achten: Der Silikonkautschuk kriecht in jede Ritze und hinter jede Fuge und härtet dann aus. Also die bündige Stoßnaht später von Außen nochmals abdichten.
  • Die Urform in das „Becken“ legen und ausrichten. Besonders kleine Urformen können beim Eingießen verrutschen; etwas Klebstoff fixiert das Objekt sicher mittig.
  • Die nötige Menge Silikon kann bei kleinen Objekten abgeschätzt und bei großen durch Messung mit Wasser erfolgen. Das Zweikomponentensilikon nach Herstellerangaben mischen (wirklich gutes Mischen ist sehr wichtig) und in die trockene Form langsam gießen. Die Füllhöhe liegt wie beschrieben 5 mm über der Objektoberkannte.
  • Nach dem Aushärten (ca. 20-30 Minuten) wird zunächst der Rahmen gelöst und danach die Form von der Vorlage abgezogen. Die Positivobjekte restlos entfernen. Im Nachgang können jetzt noch die Formränder abgeschnitten werden. Die Form ist jetzt fertig und kann direkt verwendet werden.

Mit Zement arbeiten

Die Menge des Zements ergibt sich aus dem Befüllen der Form(en) mit dem Sand. Sobald diese etwas mehr als nötig gefüllt sind ist das die richtige Menge. Bei Bedarf die Menge notieren für spätere Befüllungen. Dann Sand und Zement im Verhältnis 2:1 für kleine Objekte vermischen und bei großen bis zu 5:1. Jetzt vorsichtig Wasser dazugeben, denn schnell ist es zu viel und der flüssige Brei verliert später an Festigkeit. Den „cremigen“ Brei kurz vermischen, dann in die Silikonform geben. Je weniger an der Oberseite übersteht, desto weniger Kante muß später entfernt werden. Den Zement etwa 2 Tage abbinden lassen. Die Aushärtung erfolgt am besten schattig und mit wenig Luftzirkulation, denn sonst drohen Risse.

Wässern: Die Steine müssen nun gewässert werden, denn selbst CEM I Zement gibt reichlich Schadstoffe an das Wasser ab. Dazu die Steine in einen Eimer mit Wasser geben, alle paar Tage das Wasser wechseln und nach 6-12 Wochen geben diese kaum noch Schadstoffe ab. Zur Kontrolle kann ein TDS Messgerät verwendet werden – dabei die Belastung des Frischwassers berücksichtigen. Ein zusätzlicher pH-Test (7-8 ist gut) ist ein gutes Indiz für ausreichende Wässerung. Leider hat Korallensand im Allgemeinen und chargenweise im speziellen Phosphatbelastung, deshalb ist auch dieser zu testen.

Die Beste Form des Wässerns ist der Kasten einer Klospülung – keine Verschwendung von Wasser und ständiger Austausch. Zudem reduziert sich die Zeit des Wässerns deutlich.

Weitere Formen als Beispiel