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Nitrit

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Einleitung

Nitrit (NO2) enthält als wesentlichen Bestandteil Stickstoff (N). Das Salz ist gut löslich in Wasser und spielt eine geringfügige Rolle für Korallen als sog. Makronährstoff. Der enthaltene mittelstark oxidierte Stickstoff muss von Pflanzen nur energieaufwändig in Ammonium gewandelt werden. Im Ammonium-Anion ist dann der Stickstoff reduziert. Es ist die anorganische Stickstoffform, die sofort von Korallen und Algen in Aminosäuren eingebaut werden kann.

Der größte Teil von Nitrit wird durch die Nitrifikation zu Nitrat (NO3) gewandelt und spielt somit nur übergangsweise eine Rolle in eingefahrenen Aquarien.

Giftigkeit

Nitritanionen selbst sind im Meerwasser weitgehend ungiftig, ganz im Gegenteil zu der Giftigkeit im Süßwasser.

Nitrit reagiert mit dem roten Blutfarbstoff unter Bildung von Methämoglobin und behindert somit den Transport von Sauerstoff im Blut. Das Blut von Wirbeltieren basiert auf Hämoglobin. Das Blut der allermeisten Wirbellosen enthält den Blutfarbstoff Hämocyanin, das strukturell dem Hämoglobin ähnlich ist, aber auf Kupfer basiert und nicht rot, sondern blau erscheint. Allerdings gibt es auch Wirbellose, die Hämoglobin aufweisen, z.B. Tubifex oder Rote Mückenlarven. Im Gegensatz zu Hämoglobin, das je nach Tiergruppe in den Roten Blutkörperchen (Erytrozyten) oder frei im Blut vorliegen kann, liegt Hämocyanin immer frei im Blut vor. Ebenso wie Hämoglobin kann Hämocyanin auch Nitrit binden, hat aber zu Kupfer eine höhere Bindungsaffinität. Nitrit ist also vom Prinzip weniger giftig als Kupfer, da es weniger gut angebunden wird.

Nitrifikation

Als Nitrifikation bezeichnet man die bakterielle Oxidation von Ammonium (NH4) / Ammoniak (NH3) zu Nitrit (NO2) und dann zu Nitrat (NO3). Diese Bakterien arbeiten mit Sauerstoff und finden sich überall in den Biofilmen, besonders an großen, gut durchströmten Oberflächen wie z.B. Schaumstofffiltern und Rieselfiltern.

Denitrifikation

Unter Denitrifikation versteht man die Umwandlung des im Nitrat (NO3) gebundenen Stickstoffs zu molekularem Stickstoff (N2) durch bestimmte Bakterien. Dies geschieht nur in sauerstofffreien Zonen wie z.B. in dicken Sandschichten, Lebendgestein etc.

Auf die richtige Menge kommt es an

Optimaler Bereich: < 0,1 mg/l
Giftig:
< 1 mg/l unbedenklich
< 10 mg/l keine Schädigungen von Wirbellosen
< 20 mg/l Fischlarven können Wachstumsstörungen zeigen
< 100 mg/l manche Wirbellose zeigen Schädigungen
> 300 mg/l Fische können sterben

Im Rahmen der Einfahrphase kommt es zu dem sogenannten Nitritpeak (bis 10 mg/l). Wenn dann die Bakterien für die weitere Wandlung zu Nitrat sich entsprechend vermehrt haben sinkt der Wert wieder.

Um einen Überblick über die Wasserwerte zu bekommen, gibt es hier eine Liste.

Zu viel Nitrit

Üblicherweise spielt Nitrit in eingefahrenen Becken mit funktionierender Nitrifikation keine Rolle. Sollte der Wert dennoch steigen, dann ist unbedingt auch vor allem Ammoniak zu testen, möglich das schon die Wandlung des giftigen Ammonium nicht funktioniert. Eine Ursache können Medikamente sein, die die Bakterienpopulation stören oder sogar zerstört haben.

Im Rahmen der Einfahrphase kommt es in frischen Becken zu dem sogenannten Nitritpeak (bis 10 mg/l). Wenn dann die Bakterien für die weitere Wandlung zu Nitrat sich entsprechend vermehrt haben sinkt der Wert wieder.

Bakterienblüten verbrauchen sehr große Mengen an Sauerstoff. Sobald die Sauerstoffkonzentration zu sehr sinkt, wird die Nitrifikation gestört - in Folge steigt meist Ammoniak und Nitrit. Zur Sicherheit ist bei Bakterienblüten eine Membranpumpe mit Ausströmer, am besten im Technikbecken, zu verwenden.

Fische zeigen folgende Symptome bei kritischen Nitritwerten:

  • Schnelle Atmung
  • Halten sich an der Wasseroberfläche auf, trotz ausreichender Sauerstoffzufuhr (z.B. Abschäumer)
  • Orientierungsstörungen (schwanken, drehen um die eigene Achse)

Nährstofflimitierung

Alle Korallen, Tiere und Bakterien brauchen Nährstoffe zum Leben. Gemäß dem Redfield-Verhältnis braucht es vor allem Phosphor, Stickstoff und Kohlenstoff in verschiedenen Megenverhältnissen. Sobald ein Nährstoff nicht mehr vorhanden (s.g. Nullwerte / nicht mehr messbare Werte) ist, stellt dieser den limitierenden Faktor dar.

Generell spricht man von einer Nährstofflimitierung, wenn im Wasser kaum noch nachweisbar Phosphat (PO4) oder Nitrat (NO3) messbar sind.

Maßnahmen

Nitrit reduzieren bevor er entsteht

Die Vorstufe von Nitrit, also Ammonium reduzieren:

  • Fischbesatz reduzieren
  • weniger füttern
  • tote Lebewesen schnellstmöglich aus dem Becken entfernen
  • Detritus entfernen
  • Ausreichende gut verteilte Strömung im ganzen Becken
  • Riff-Hinterspülung
  • Biobälle und biologische Filter reduzieren, häufig reinigen und nicht Trockenlaufen lassen
  • Lebendgestein hat den Vorteil, das in einem geschlossenen System ein Großteil der Nitrifikation dort abläuft, wo das Nitrat auch gleich zu elementarem Stickstoff weiterverarbeitet werden kann. So ist frei verfügbares Nitrit, zumindest von diesem System, nicht zu erwarten.

Nitrit reduzieren:

  • Nur Frischwasser ohne Nitritbelastung zuführen, dazu Verwendung Umkehrosmose-Anlage oder Vollentsalzer bei Ausgangswasser mit hohem Nitrit-Gehalt
  • Ozon dosieren

Vorhandenes Nitrit abbauen

Nitrit-Konzentration können reduziert werden:

  • Wurden zuvor Medikamente eingesetzt, die ggf. Bakterien gestört haben, muß zuerst das Medikament mit Hilfe von Aktivkohle und / oder Wasserwechseln entfernt werden.
  • Eine effektive Nitrifikation ist einfach mit der Dosierung von Starterbakterien möglich.
  • Redoxpotential ggf. anheben, um die Nitrifikation effektiver zu machen.

Nitrit dosieren

Eine Dosierung ist unüblich und der Stickstoff (N) wird meist als Ammonium- oder Nitratverbindung dosiert.

Messung

Die meisten Tests günstig und reichen völlig aus für den normalen Bedarf. Eine Messung spielt meist nur in der Einfahrphase eine Rolle, um den Nitritpeak zu erkennen für eine erfolgreiche Nitrifikation. Wichtig ist ein Messbereich von 0,1 bis 10 mg/l.

Eine Übersicht über die am Markt vorhandenen Wassertests finden sie hier.

Einzelnachweise

Weblinks